feigenmarmelade zu den göttern (und wieder runter)

südlich und östlich von mir taten sich verheißungsvolle berge und nationalparks auf. da der grobe plan lediglich war, weiter nach osten zu kommen, wählte ich einen entlegenen pfad nördlich des bey dagi. nach dem aufstieg auf eine sehr schöne hochebene auf 2000 m wurde ich mit einer spektakulären aussicht belohnt.

in der nähe von afsin wurde ich von durdu beherbergt. nach dem tod seines großvaters war er in dessen haus gezogen und kümmerte sich um sein land. er genoss die ruhe und abgeschiedenheit des landlebens nach einem weitaus stressigeren in verschiedenen großstädten. er war zugegeben etwas kauzig, aber im grunde äußerst drollig. so schenkte er mir zum abschied ein riesiges glas feigenmarmelade.

kurz nachdem ich weiter fuhr wurde ich im regen eingeweicht. wie so oft bot mir eine moschee schutz. mein weg nach malatya führte mich durch wasserarme berge. dank des lockdowns gab es kaum verkehr, aber dafür hatte ich wieder mit viel gegenwind zu kämpfen. am höchsten punkt des gebirges, das sich vor der tiefebene malatyas noch einmal aufbäumt, wurde ich von straßenarbeitern, die um meine sicherheit besorgt waren durch einen tunnel eskortiert.

ich hatte mich schon auf eine überquerung des gebirges südlich von elazig auf sehr entlegenen pfaden festgelegt, um vorläufig ein letztes mal berge auszukosten bevor es ins flachland der nähe der syrischen grenze nach mardin gehen sollte, als ich zufällig thommy und celine traf. die beiden waren im winter in belgien gestartet und hatten es trotz der covid-bedingten reisebeschränkungen geschafft in die türkei zu radeln, mit dem langfristigen ziel mongolei. sie waren verwundert, dass ich noch nichts von nemrut gelesen oder gehört hatte und veranlassten mich, meine pläne zu ändern und mit ihnen zu fahren.

schnell stellte sich raus, dass celine zumindest ein flottes tempo vorlegt. glücklicherweise machten mich die beiden mit einem ihrer tricks vertraut: lkws hitchhiken, wenns zu arg bergauf geht oder wenn die landschaft zu eintönig ist. und so legten wir am abend noch die notwendige strecke zurück, um am nächsten tag den gipfel erreichen zu können.

trotz dass die tagesstrecke nur 35 km betragen sollte, wurde der aufstieg die größte bisheriger anstrengung in der türkei, und wahrscheinlich generell seit dem wurzener pass. zunächst ging es nochmal bei einer rasanten abfahrt ins grüne tal des kahnta, doch dann galt es eine unbarmherzige rampe mit 15 % steigung zu erklimmen. zum glück hatten wir im tal noch sämtliche flaschen gefüllt, denn auf dem gesamten weg die trockene geröllebene hinauf gab es kein wasser.

unterhalb des gipfels ist ein museum errichtet. wir waren nicht wenig überrascht dort zwei weitere radreisenden anzutreffen. coco und janice waren in frankreich gestartet und wollten ursprünglich nach afrika, hatten aber, wie so viele, ihre pläne wegen der pandemie geändert. die museumsbetreiber warnten uns vor einem sturm in der nacht. deshalb verzichteten wir darauf, unsere zelte im garten aufzuschlagen und verbrachten die nacht im vorraum des museums. tatsächlich sollte es die richtige entscheidung gewesen sein, denn schon die tür geschlossen zu halten bei einem wind von 70 km/h war fast unmöglich.

am nächsten tag kämpften wir uns noch die letzten meter auf einer schotterpiste hinauf und genossen die spektakuläre aussicht. gen süden konnte man bis nach syrien sehen, gen norden über das toroslar-gebirge. auf dem gipfel ist auf drei terrassen eine kultstätte mit gigantischen statuen errichten. könig antiochos wollte griechische und persische mythologie vereinen und sich bei der gelegenheit selbst in den rang der götter heben. und so ist er in stein gehauen u.a. neben zeus und apollon zu finden. zugegeben, die monumentalen figuren machten an diesem exponierten ort einen mystischen eindruck.


die abfahrt durch den nationalpark war sehr viel flotter, aber nicht minder schön. ein letztes mal campten wir in dieser fünfer-runde an einen fluss, bewacht von von der jandarma. mir wurde erst später bewusst, dass es der euphrat war, an dem wir geruht hatten. am nächsten tag ging es dann erneut lässig per anhalter nach sivert, wo ich mich von den vieren trennte, um südlich nach urfa zu fahren.

die bauten der stadt wirkten viel orientalischer als was ich bisher gesehen hatte. die männer trugen weite hosen mit einem tiefen schritt, sowie hemd und weste. die frauen trugen weite, bunte kleider, darum einen breiten ledergürtel. ich war plötzlich in mesopotamien, u.a. siedlungsgebiet der kurden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s