kurdische gastfreundschaft

ich habe mich in siverek von coco und janice, céline und thomas verabschiedet und bin also auf dem weg nach sanliurfa. es umfließen mich sanfte wellen aus gelb, ocker und hellgrün. nach den spektakulären eindrücken der letzten tage (coming soon, for premium subscribers;-) wirkt die landschaft sehr beruhigend auf meinen geist.

in einem der wenigen bauerndörfer, die ich passiere, werde ich zum kaffee eingeladen. wir hangeln uns an den spärlichen sprachkenntnissen beiderseits am gespräch entlang, das ganze ist untermalt vom presslufthämmern des nahegelegenen basaltwerkes. irgendwann kommen mehr und mehr familienmitglieder dazu und ich werde vom cousin meines gastgebers zum abendessen eingeladen und sage zu.

ich werde zu einem anderen haus gebracht und in ein zimmer geführt, das vollständig mit teppichen ausgelegt ist, bilder und fotos auf den gardinenkästen, portraits der großeltern an der stirnseite. man benutzt im dorf keine möbel, erklärt mir einer der drei jungs, die mit mir gekommen sind. sein interesse ist groß, aber er bedauert, dass er kein englisch spricht. er hält jedes mal sein smartphone mit triumphierendem lächeln in die höhe, wenn die roboterstimme seine eingabe übersetzt. während wir uns auf diese weise zu unterhalten versuchen, ruft es von draußen immer wieder ‚hello, hello‘. wenn mein blick den der aufgeregten mädchen hinterm fenster trifft, rennen sie kichernd davon, um kurz darauf zurück zu kehren. dann wird mir mein essen gebracht und die jungs lassen mich allein.

nach dem essen kehren die jungs zurück und allgemeine freude bricht aus, als ali dazukommt, der englisch spricht. das hat er sich beim online computerspiel mit anderen beigebracht. später betreten ältere männer den raum und die jungs springen sofort auf. ich werde allen vorgestellt. abdulkadir -er ist gewissermaßen der chef des dorfes- lässt übersetzen, dass er sofort kam, als er hörte, dass ein gast erschienen sei. er erklärt, dass es eine religiöse pflicht für sie ist, mir mit allem zu helfen, was ich brauche. ich werde gefragt, ob ich über nacht bleiben möchte und ich bejahe.

ich werde zu einem anderen haus geführt, das mir zuvor schon von der terrasse meines ursprünglichen gastgebers aufgefallen war. es ist ein prachtvolles steinhaus mit kunstvollen steinmetzarbeiten, ein zimmer ebenfalls mit teppichen und kissen ausgelegt, eine küche, und ein zimmer, das auf mich den eindruck macht, als wäre es zum empfang von scheichs bestimmt, mit weichen sofas, dicken teppichen am boden und kunstvollen ornamenten an den wänden. etwas überrascht stelle ich fest, dass es im bad zwar eine europäische toilette gibt, aber statt einer dusche nur zwei wasserhähne an der wand und einen eimer dazu. um die gesellschaft nicht warten zu lassen, beeile ich mich und hab auch schnell den dreh raus. zurück im zimmer machen wir noch etwas konversation. ich erfahre, dass das ganze dorf eine familie ist, das sie den basalt abbauen und kurden sind. und dass abdulkadir architekt ist und das haus gebaut hat, das speziell zum empfang von gästen. ich werde ein letztes mal gefragt, ob ich noch etwas brauche, wann ich frühstücken möchte und dann verabschieden sich alle. ich werde darauf hingewiesen, dass ich mich nicht wundern soll, wenn noch weitere gäste kommen werden.

später kommen zwei männer und setzen sich zu mir und halten einen kurzen plausch. danach wähne ich mich schon allein, als ein in einem weiten gewand mit kapuze in hellem lila gekleideter, würdevoller mann das haus betritt ohne sich vorzustellen und auch in das für mich bestimmt zimmer tritt. als er sich aus dem fenster beugt und etwas nach draußen ruft, sehe ich, dass an seinem ledernen gürtel ein holster mit pistole hängt. er geht anschließend mit seiner schweigenden begleitung in das andere zimmer. später folgen noch ein paar männer. es wird hinter verschlossenem raum debattiert, hin und wieder geht yusuf hinein, bringt tee und schmalzkringel in zuckersirup. dazwischen sitzt er bei mir im zimmer. wir schauen krampfhaft auf unsere telefone und beginnen ein paar mal diese unbeholfenen google-translator- gespräche.

irgendwann kommt er nicht mehr raus und auch wenn ich neugierig bin, was weiterhin passieren wird, ist es irgendwann so spät, dass ich die tür und die jalousien zu meinem zimmer schließe und mich schlafe lege.

am nächsten morgen wird mir noch ein reichhaltiges frühstück kredenzt. da noch ramadan ist, bin ich der einzige, der isst. abdulkadir und zwei seiner neffen leisten mir trotzdem gesellschaft und fragen mich ein bisschen über feutschland aus, erklären mir das der herr am abend zuvor ein lokaler politiker/anführer ist und dass ich so lange bleiben könne, wie ich möchte. ich bedanke mich gerührt, aber insistiere weiterzufahren, da meine zeit in der türkei begrenzt, jedoch noch viel zu entdecken sei. mit einer visitenkarte im gepäck und ihrem versprechen, bei jeglichen problemen auf sie zählen zu können, mache ich mich auf richtung urfa. was für stolze und freundliche menschen!

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