von riesigen phallussen und stolzen klostergärtnern

’nanu, bin ich denn schon in kasachstan‘ dachte ich mir, nachdem ich endlich aus dem zentrum, den äußeren stadtgebieten und schließlich dem weitläufigen industriegebiet der 2,3 mio – stadt konya rausgefahren war. eine flache ebene gähnte mich an, ungefähr so spannend wie die k-frage der unionsparteien. glücklicher weise war mein podcatcher randvoll und der wind nicht komplett gegen mich. abwechslung auf dem weg bot in diesen zwei tagen außerdem die besichtigung einer karawanserei aus dem 13. jh in sultanhanı.

ab aksaray ging es dann wieder in die berge. um nicht der hauptstraße folgen zu müssen, machte ich wieder einen kleinen umweg südlich, den ich keine minute betreute. nur das wetter des nächsten tages stellte mich auf eine kleine probe: der wind wurde so stark, dass ich zunächst mühe hatte voran zu kommen und dann mich auf dem rad zu halten. und als ob dies nicht reichte, gab es noch ein ordentliches gewitter mit passendem regenschauer. am nächsten tag zeigte sich das wetter versöhnlicher und ich konnte zum auftakt meiner tage in kappadokien die burg in uçhisar im besten sonnenschein besuchen. leider war im sogenannten museum nichts erklärt, doch von der spitze konnte man sich einen guten überblick über das gesamte gebiet verschaffen. anschließend gönnte ich mir das vergnügen, die umliegenden feenkamine und höhlen zu erkunden.

kappadokien liegt in einem einstmals vulkanischen gebiet. durch die ausbrüche wurde tuffgestein aufgeschichtet und unterschiedlich stark verdichtet. daher ist die spätere erosion auch unterschiedlich stark ausgefallen. das ergebnis ist eine skurrile landschaft mit faltigen tälern, ausgehöhlten kleckerburgen (‚feenkamine‘), grand-canyon-artigen bergen und eben… naja… riesigen penissen. die ersten siedler nutzten schon 8000 v.chr. die fruchtbare erde und höhlen. die folgenden völker errichteten und erweiterten wohnstätten, festungen und klöster mit keltereien, olivenpressen und geheimgängen an – und in den felsen bzw. höhlen.

ich deckte mich nochmal mit vorräten ein und fuhr ins love-valley. dort traf ich dann tatsächlich liebliches paar, das sich vor kurzem erst gefunden hatte: nämlich hans aus österreich und groot, ein (ehemaliger) straßenhund. die beiden sind per jeep unterwegs und eigentlich auf dem weg in die mongolei. wir verstanden uns auf anhieb und sowieso war das tal unheimlich schön, sodass ich zwei tage blieb.

ich umrundete das gebiet nordöstlich und besuchte auf dem weg die höhlenstädte pasabaglari und zelve hacik. heute werden die höhlen andernorts teilweise auch noch als ställe, lagerstätten oder behausung genutzt und auch für so manchen radreisenden findet sich noch ein freies plätzchen.

um die göreme-runde komplett zu machen, fuhr ich noch nach ürgüp und anschließend südlich, dem rat eines türkischen radlers folgend, den ich in göreme getroffen hatte, nach yesilhisar. wie ich feststellen durfte, war es die bessere entscheidung, anstatt den direkten weg nach kayseri zu wählen. ich fuhr auf ruhigen wegen durch markante landschaften und hübsche, entspannte dörfer. der weg führte mich auch zufälliger weise an dem kloster keşlik vorbei. in einem schattigen hof empfing mich der wächter, nachdem er seine lektüre beiseite gelegt hatte. in etwas basisorientiertem englisch gab er einen (sehr) kurzen abriss über die geschichte und erklärte mir die deckenmalereien in der kirche. danach erkundete ich die in die feenkamine gemeiselten gemächer, küchen und kirchen. ich versuchte mir den alltag der bis zu hundert dort lebender mönche im frühen mittelalter vorzustellen und fand die vorstellung ziemlich romantisch wie sie da wie hobbits in ihren höhlen leben, wein keltern und kochen, beten und singen, die kleinen felder ringsum bestellen und bei einfallenden horden sich in ihren geheimgängen verschanzen.

nicht ohne stolz erklärte mir der wächter, dass die landschaftspflege des klosters nun schon seit generationen in der hand seiner familie ist und zeigte mir, dass er sogar namentlich in einer deutschen ausgabe eines kirchenführers erwähnt wird. ich beglückwünschte und lobte ihn für sein -in der tat sehr hübsches- werk und verabschiedete mich.

nach yesilhisar führte mich die strecke den canyon entlang, auf eine flache hochebene hinauf, wo mir zum ersten mal überhaupt zwei straßenhunde begeistert folgten, anstatt mich anzufallen und dann wieder bergab durch ein pittoreskes tal. vor yesilhisar fand ich einen schönen see, der mich zum verweilen verleitete.

mittlerweile gibt es einen lockdown in der türkei, der bis zum ende des ramadans gehen wird, getragen von der hoffnung zum beginn der saison die zahlen auf ein moderates maß gedrückt zu haben. für touristen gilt der nicht, was natürlich sehr praktisch ist, aber auch ein gewisses gefühl der scham ob der eingeräumten privilegien verursacht.

jetzt geht es erstmal wieder in die berge und so langsam einer warmen dusche entgegen, denn nach langer zeit hat mir ein host mal wieder zugesagt…

3 Kommentare zu „von riesigen phallussen und stolzen klostergärtnern

  1. nur, leider, statt euch demütig gen osten zu neigen, quatscht ihr im hintergrund… 🙂
    supertoll, die fotos und die beschreibung. wir wollten ja schon immer mal nach kapadokien und sind jetzt bestärkt in diesem vorhaben.
    und schon kommen die nächsten sagenhaften erlebnisse! bleib gesund, mein sohn! mutti und konrad

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