frohen advent

heute ist mobinas siebzehnter geburtstag. es gibt für sie aber keine party. kein festessen, keine gäste, kein kuchen und keine geschenke. kein weggehen mit freunden, kein tanzen, kein spaß. es gibt nicht einmal ein haus, ein eigenes zimmer, geschweige denn ein bad für sie. keine bewegungsfreiheit, nicht ein kleines bisschen normalität.

seit ihrer geburt hat sie erfahren, dass sie ungewollt ist. dass sie da nicht bleiben kann, wo sie ist. weil sie da nicht hingehört. sie hat keine staatsangehörigkeit, es gibt keinen ort, wo sie ‘hingehört’. und auch an diesem tag wird ihr nicht das privileg zuteil, dies nicht zu spüren.

es hat seit drei tagen sintflutartig geregnet und gestürmt. einige zelte sind eingestürzt, die geflüchteten versuchen verzweifelt ihre wenigen habseligkeiten und eng bemessenen schlafstätten irgendwie trocken zu halten. der regen hat grosse teile des ehemaligen militärgeländes unter wasser gesetzt und eine granate freigelegt. in einem der zelte, wo bis zu hundertfünfzig single-männer untergebracht sind, ist ein heftiger streit entbrannt. es fließt viel blut. ärzte ohne grenzen berichtet, dass die häufigsten verletzungen, die versorgt werden müssen, rattenbisse sind, weil ‘kinder in der nacht angeknabbert werden’.

eine viertelstunde mit dem rad entfernt dudelt lautstark weihnachtsmusik in der ganzen fußgängerzone. es will keine weihnachtliche stimmung aufkommen.

—> thanks to refocus media lab <—

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