start 2.0? in der warteschleife!

würde ich an gott oder das schicksal glauben, so käme ich mir vor wie ein opfer seiner/ihrer ironie. da ich aber nicht glaube, blicke ich einfach bedröppelt übers meer auf das türkische festland, das so nah scheint und doch unerreichbar ist – wie ich feststellen musste. ganz im gegensatz zu den informationen, die das auswärtige amt veröffentlicht, sind die grenzen der türkei seit april geschlossen. und sie informieren alle 15 tage neu, ob dies so bleibt oder nicht.

da es mir innerlich widerstrebt einfach eine andere richtung einzuschlagen (wohin auch? schließlich ist jede destination ungewiss und daher planung nicht möglich) oder ein flugzeug in die türkei zu nehmen (für bezahlbare preise müsste man absurder weise kreuz und quer durch europa fliegen), was kurioserweise möglich ist, entschließe ich mich zunächst auf rhodos zu bleiben.

auf rhodos bläst ein immerwährender westwind, der die insel sich als ein eldorado für wind- und kitesurfer (und noch einige andere verrückte wasser-wind-sportarten) etablieren ließ. dieser umstand (ich will nicht fügung schreiben, weil: siehe oben) macht es mir leicht, mich vorläufig mit einem aufenthalt auf dieser -durch und durch von tourismus überzogenen- insel anzufreunden (zugegeben: nach dem mir liebgewonnenen kreta hat es wohl jeder kandidat schwer). ein bisschen trotzig buche ich also einen windsurfkurs, der zwar ein mittelgroßes loch in die reisekasse reißt, aber mir auch viel freude bringt. den rest des tages liege ich meistens faul in meiner hängematte unter der griechischen sonne und lasse mir von saša stanisic von jugoslawien und heidelberg erzählen.

nachdem der kurs vorbei ist, ist es zeit, auch mal den rest des eilandes zu erkunden. da nach wie vor das damoklesschwert über meinem achillesknie hängt (oder wie sagt man?), fühle ich mich gezwungen das rad-fahren neu zu lernen. im niedrigen gang trete ich mit hoher frequenz aus den füßen und den unterschenkeln. und es scheint tatsächlich zu funktionieren, zumindest bleiben schmerzen aus. doch mit dem mittlerweile ungewohnten gewicht des gepäcks + dem oben erwähnten wind + der unvermeidbaren täglichen siesta sind keine großen distanzen zu überwinden; was an und für sich gar nicht schlimm ist, denn wenn ich eines habe, dann zeit. allerdings kratzt es ein wenig an der radlerehre, befürchten zu müssen, jeden moment von einer schildkröte überholt zu werden. aber auch solche eitelkeiten werden schließlich überwunden.

während ich die von hotels gepflasterte ostküste entlang fahre, stelle ich überlegungen an, ob allinklusiv-resorts möglicherweise nicht doch eine gute idee sind, da dadurch die ausbreitung der urlaubswütigen auf andere bereiche recht wirksam eingedämmt wird. ich komme zu keinem eindeutigen ergebnis. in der nähe von kolimbia finde ich trotzdem ein schönes plätzchen für die die nacht auf einer felsigen halbinsel abseits von siedlungen.

am nächsten tag erreiche ich das malerische lindos, das sich nicht ohne stolz am fuße der festung -passend zum tiefblauen meer- im weißen festtagskleid präsentiert. nachdem ich mich mit dem security-mensch vom parkplatz angefreundet habe, überredet er mich, seinen kumpel zu besuchen, da das eh auf meinem weg läge. leider werde ich ihn niemals finden; möglicherweise weil die wegbeschreibung etwas unpräzise ist (’sein name ist manilos. er hat eine große bananenplanze vor seinem haus. und dreadlocks‘).

gen süden hin wird die besiedlung immer spärlicher. das letzte dorf vor prasonisi schließlich scheint im nirgendwo gebaut zu sein und gefällt mir mit seiner wild-west-atmosphäre sehr gut (hitze, stille, nichts bewegt sich, menschen warten in tavernen, wahrscheinlich auf den bösewicht).

prasonisi ist der südlichste zipfel der insel. auf der eigentlichen halbinsel kann ich nicht campen, wie es eigentlich mein plan war, weil der wind das wasser über den einzigen zugang drückt. nahe des strandes finde ich jedoch einen sehr schönen platz, der, wie es sich am darauf folgenden tag herausstellen sollte, auch der bevorzugte siestaplatz vom sam aus wien ist. der ort ist ganz besonders beliebt bei wind- und kitesurfern. daher wirkt er mit all den wohnwagen und zelten zwischen den bäumen, mit den gut gelaunten menschen und dem künstlichen dörfchen ein bisschen wie ein festival, nur ohne musik.

mein weg in den osten dann führt mich durch authentische dörfer und durch diese raue landschaft, die ich so mag, aus schroffen bergen, geröll, stacheligen sträuchern und pinienwäldern. monolithos ist zwar nur 300 m hoch, ragt aber sehr steil auf, so dass man eine eindrucksvolle sicht über das meer und die auf einem fels errichtete festung hat. von dort rausche ich eine rasante abfahrt über zahlreiche serpentinen hinunter zu einem kleinen strand von dem aus man in einer ins meer reichenden landzunge antike in stein gemeiselte höhlen besichtigen kann. die rückfahrt kann ich natürlich erst in den abendstunden antreten und finde nach monolithos einen sehr schönen weg durch den wald, der wahrscheinlich nur von imkern in ihren pickup-trucks befahren wird. da ich keine lust habe direkt wieder ans meer zu fahren, kurve ich noch etwas um attavyros, den höchsten berg rhodos‘, um dann schließlich doch einen schlafplatz am meer zu finden.

auf dem weg zurück nach rhodos entschließe ich mich noch einmal nach workaway-stellen zu schauen und werde tatsächlich fündig. so zimmere ich vormittags für efigenia, die einen zeltplatz betreibt, eine kleine hütte und geh nachmittags am nahegelegenen strand surfen.

die auf diese weise gut gefüllten tage vergehen schnell und unbeschwert und doch macht sich nach zwei wochen wieder eine gewisse unrast bemerkbar. einen kleinen abstecher mache ich noch nach stegno, wohin mich jennifer und melanie eingeladen haben, die ich bei efigenia kennen lernte und verbringe mit ihnen die letzten tage ihres sommerurlaubs.

danach genieße ich noch die letzten tage surfen und bewege mich langsam zurück nach rhodos-stadt. so befinde ich mich dieser tage in rufbereitschaft, das schlimmste befürchtend, verschiedene möglichkeiten erwägend, sehnsüchtig gen morgendland blickend, ungeduldig mit der pedale scharrend. doch letztlich bleibt mir -um den bogen zum anfang zu schlagen- nur zu erwarten, was die wundertüte des lebens für mich noch bereit hält…

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