von griechisch-slowakischen norwegern und irischen deutschen (und anderen dingen)

nachdem die ersten strahlen ihren weg durch das oberlicht der jurte
gefunden und mich geweckt haben, trink ich meinen ersten kaffee an der stelle auf der blumenwiese, die zu dieser zeit schon sonnig ist. unweit starten die gänse ihre täglichen streifzüge und schimpfen gelegentlich. sie sind derzeit ein wenig reizbarer als gewöhnlich, da seit kurzem nachwuchs mitwatschelt.
nach dem frühstück werde ich ein paar letzte handgriffe an der hütte verrichten und dann könnte ich den zaun um die beete -der schon etwas altersschwach und schwer gebeugt ist- erneuern. oder mit dem aushub für den batterieraum der pv-anlage beginnen…. zu tun gibts immer was. und jede menge. aber zeitdruck gibt es keinen.
die umgebung ist bergig und von weinbergen und olivenhainen
geprägt. das nächste dorf, archanes (sehr hübsch im übrigen),  ist fußlaüfig in einer stunde zu erreichen. jons land zählt wohl noch zu choudetsi. das dorf ist vor allem unter musikern und musikbegeisterten bekannt, da hier den ganzen sommer über (normalerweise) workshops und konzerte stattfinden. (dieses jahr aus allgemein bekannten gründen leider nicht). 

ich verbringe sehr ruhige, aber auch erfüllte tage bei jon. er landete vor fünf jahren selbst -wie so viele andere auch- eher zufällig hier. nachdem er viel gereist war und u.a. einige zeit in der slowakei gelebt hat, hatte er lust, selbst auch irgendwo zu siedeln, nur nicht in seinem heimatland norwegen. und so fand er mit hilfe einer freundin dieses grundstück. er legte sukzessive wege und teiche an, baute zwei jurten für (workaway)-gäste auf, installierte eine pv-anlage, trockenklo, schuppen usw. er probierte auch die haltung verschiedener tiere; es blieben die gänse, weil so dominant, aber auch robust und pflegeleicht. und zwei hunde, die ihm in dieser zeit zuliefen.

im winter werden natürlich oliven geerntet und in der nahegelegenen genossenschaftlich organisierten presse verarbeitet. ansonsten zeitigen jons permakulturellen bemühungen bescheidene erfolge, die jedoch (noch) nicht zur selbstversorgung reichen. einen schicken holzkäcksler nennt er auch sein eigen, doch fehlt derzeit noch das passende business-model, auf der einen seite die farmer zu motivieren, ihre äste zu häckseln statt zu verbrennen und auf der anderen seite gewinn abzuwerfen.

vor kurzem meldete sich ein irischer deutscher bei jon mit dem anliegen, einen abnehmer für seinen umfangreichen besitzstand zu finden. for free, versteht sich! da das doch ein wenig absurd klang, konnte es jon zwar nicht so richtig glauben, aber sagte doch mal lieber zu. und so war es meine erste aufgabe, mit jon und zwei freundinnen von ihm gen osten zu fahren und das geraffel abzuholen. es sollte sich herausstellen: es stimmte.
jens -gebürtiger kieler und weltreisender, zuletzt wohnhaft in irland- hatte nach einer schmerhaften trennung entschieden etwas abstand zu schaffen. so packte er kurzerhand alles, was er besaß in einen container und zog nach kreta. allerdings stellte er recht schnell fest, dass es ihm doch nicht so taugte und es ihn wieder zu seinem sohn zöge. allerdings wollte er den containermove nicht nochmal wiederholen.
und so war jon für ein paar tage arbeit um ein paar kayaks, surfbretter, zahlreiche möbel, einen ofen, eine feuerschale, eine original mongolische jurte, eine holzhütte, einige betten, eine autobatterie, werkzeuge uvm reicher. naja und um einen freund natürlich auch. jens sollte noch einige zeit bei jon leben, nachdem sein mietvertrag ausgelaufen war.
eigentlich war angedacht, dass ich als nächstes die hütte aufbauen sollte, doch als ich andronis ein fahrrad -eine weitere spende von jens- vorbeibrachte, wurde ich von ihm zu einem ausflug nach balos eingeladen.
*da diese anekdote den rahmen des posts sprengen wuerde, gibt es sie evtl spaeter als extra-spezial für die premiumleserInnen*
zurück in choudetsi kam ich also in den genuss mal wieder zimmererarbeiten verrichten zu dürfen.
ich habe nach wie vor die hoffnung irgendwann meine reise -wie ursprünglich angedacht- fortsetzen zu können, doch hüte ich mich vor zu postiven erwartungen was die entwicklung der corona-situation in der türkei und weiteren reiseländern auf der route anbetrifft. und ich muss sagen, dass ich mich leicht mit dem gedanken anfreunden kann, hier weiterhin bleiben zu ‚müssen’…  

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