angekommen in griechenland

jeder geht beflissen seinem tagwerk nach: die hühner scharren aufgeregt nach futter, die jungbullen schnuppern neugierig und probieren alles mal, was in leckbarer nähe liegt, die truthähne stolzieren sehr ernst, aber ständig von ihrem sonderlichen schluckauf geplagt und präsentieren ihr wundervolles federkleid, um von dem hässlichen lappen auf ihrer nase abzulenken, die schafe stehen rum und denken über das leben nach, die hasen machen hasensachen, die schweine machen liebe, die gänse lästern lautstark über alle anderen, die flöhe knabbern am max und die hunde versuchen (entgegen ihrer anmutung) lautstark daran zu erinnern, dass sie ursprünglich von wolf abstammen.

und ich? ich hab jeden tag eine neue schöne aufgabe: sau schlachten, unkraut zupfen, alte weinstöcke zu feuerholz schneiden, die kühe, die ausgebüchst sind, zurück treiben, den kindergarten mit hochbeeten verschönern, doppelstockbetten zimmern, tsiporou brennen, wein abfüllen, zwiebeln pflanzen…. allerdings wird mir nahe gelegt, darauf zu achten, dass sie niemals in richtige arbeit ausartet (’slowly, slowly!‘).

nach zwei wochen hab ich nicoletta und spyros tief ins herz geschlossen und es fühlt sich so an, als würde ich schon für ewigkeiten hier leben, was auch auf gegenseitigkeit beruht.

die beiden hatten vor acht jahren beschlossen, aufs land zu ziehen und sich selbst zu versorgen. also kauften sie land, machten es urbar, bauten sich ein haus und erweiterten alles sukzessive um immer mehr land, pflanzen und tiere. und den status quo finde ich sehr beeindruckend – nahezu alles, was auf dem tisch steht ist aus eigener produktion: käse, nudeln, gemüse, fleisch, wein, saft, obst (orangen und zitronen ganzjährig!), honig, brot, saft, getrocknetes obst, selbst das geschirr. die obligatorischen olivenbäume müssten die kommenden jahre zum ersten mal tragen.

die bürde der farm scheint groß, da sie weder urlaub, noch wochenende erlaubt. doch für die beiden bedeutet es freiheit, ihre lebensmittel selbst herzustellen und den rhythmus ihres lebens weitesgehend selbst zu bestimmen. und so bleibt auch viel zeit für ausgedehnte mahlzeiten, spiel auf der tambouras (trad. byzant. saiteninstrument), besuch bei freunden, tanz usw. bei diesen gelegenheiten bin ich immer wieder beeindruckt von  der reichhaltigkeit der kultur, die tatsächlich gelebt und nicht aufgesetzte folklore ist. angesichts dessen, dass die griechen sich jene unter der (oft beklagten) 400jährigen osmanischen herrschaft bewahrt haben, wirkt der herbei fabulierte untergang des kulturellen abendlandes (was soll das im konkreten eigentlich sein?) geistig verirrter in meinem herkunftsland nochmal umso absurder!

doch nochmal kurz zurück nach albanien: nachdem ich in der hübschen alten stadt gjirokaster ein paar regentage äußerst komfortabel in einem hostel ausgesessen hatte, aber leider noch keine zusage für eine arbeit, fuhr ich einfach gen süden los. mein weg führte mich an der tiefsten schlucht der welt (vikos) vorbei, die durchaus sehr beeindruckend ehrfurcht gebot. leider regnete es wieder so stark, dass ich keine guten fotos machen konnte.

ich traf ab und an weiterhin ein paar radreisende, die aber immer in gegengesetzter richtung unterwegs waren. so auch ein amerikanisches pärchen, das seit ihrem start in thailand in mehreren jahren schon so manche destination in fernost, zentralasien und jetzt auch europa erradelten. auf die schilderung meiner situation hin erinnerten sie sich an einen tavernenbetreiber nördlich von amfissa, der sie zur olivenernte dabehalten wollte. mit dem standort und neuer zuversicht ausgestattet fuhr ich gegen den wind an, der vom meer kommend (erfolglos) versuchte, mich von meinem vorhaben abzubringen. vor ort angekommen wurde ich allerdings leider enttäuscht. besagter tavernist befand sich im krankenhaus und der kellner vor ort konnte oder wollte mich nicht verstehen und behauptete, es gäbe keine arbeit. versuche, mich auf eigener faust auf dem griechischen arbeitsmarkt gegen albaner bei der olivenernte zu behaupten, bescherten mir zwar einen originellen abend in einer dorfkneipe, blieben aber erfolglos. also fuhr ich einfach weiter richtung athen.
in livadia fand ich einen äußerst kompetenten radmechaniker, der sich mit viel expertise und hingabe der überholung meines antriebs annahm. da ich mich schon darauf eingestellt hatte, dieses unterfangen nach einer umständlichen komponentenbestellung über freunde in deutschland selbst unternehmen zu müssen, war ich ausgesprochen dankbar, dieses stresses entledigt zu sein und mein rad in so guten händen zu wissen. auf die weise erhielt mein antrieb ein upgrade um vier zähne nach unten, mit dem ich künftig jede steigung (auch einen verflixten wurzener-pass) zu überwinden in der Lage sein sollte. da dafür teile bestellt werden mussten und einer dieser witzigen feiertage anstand, die dem stadtheiligen gewidmet sind, war ich einige tage zum verweilen gezwungen. diese sollten sich als sehr kurzweilig entwickeln, weil mir die kleine stadt sehr gefiel und ich schnell neue freunde fand. bzw. wurde ich gefunden – denn sie luden mich von der straße ein, mit ihnen zu speisen und wein zu trinken. schließlich sollte ich auch einige zusagen auf meine zahlreichen anfragen erhalten, von denen ich mich für nicoletta und spyros entschied.
im neuen jahr geht’s dann nochmal für drei wochen auf die nahe gelegene insel evia zu einer weiteren selbstversorger-familie, die in einem strohballenhaus (!:-) leben und im februar zu vales mutti auf kreta.
auf die üblichen fragen des woher und wohin aufrichtig geantwortet, wird stets an mich der appell gerichtet: ‚bleib doch einfach hier – hier ist’s eh am schönsten!‘ und im grunde fällt es mir auch nicht schwer, das zu glauben. aber trotzdem ist da weiterhin reiselust, die zu weiteren plänen und hoffentlich auch ihrer umsetzung treibt.


griech. telefonzelle
wildschweinjagd ist sehr beliebt

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