leichter rollt sich’s leichter

seit einiger zeit schon hatte sich die idee in meinem kopf eingenistet, mit weniger gepäck in die berge berge zu fahren und war schon gut gediehen. mit andreyis farm bot sich endlich die möglichkeit eines basecamps, wo ich alles für einen kurztrip in die berge montenegros unnötiges zurück lassen konnte.
so ging es anfang oktober von meeresspiegelniveau auf durchnummerierten serpentinen mit einer spektakulären aussicht auf die bucht von kotor auf knapp 1000 m. 

 

nachdem ich auf der hochebene nach dem zweiten dorf die touristische route verlassen hatte, war ich wieder ganz allein in der mystischen, kargen landschaft, nur hin und wieder überholte mich ein uralter golf. die rar gestreuten dörfer waren wie ausgestorben und die dorfkneipe war stets geöffnet, aber menschenleer (nicht mal eine bedienung). 

auf dem weg zum von mir angepeilten durmitormassiv wurde ich zum ersten mal auf meiner tour so richtig eingeweicht und hatte passender weise in dieser situation noch einen platten. da es nicht aufhören wollte zu regnen, zelte ich vor ort und wurde am nächsten tag von der anliegenden familie mit einem frühstück überrascht. begegnungen wie diese sollten mir auch weiterhin noch viele male widerfahren und rührten mich jedesmal ganz arg.

 


in den bergen fand ich nahe des recht touristischen zabljak den letzten offenen zeltplatz. ganz familiär wurde mir angeboten, jederzeit die stube der oma (des platzwartes) aufsuchen zu können. angesichts der bereits empfindlichen temperaturen, die in der nacht eine eisschicht auf mein zelt zauberten,


nahm ich dieses angebot dankbar an und genoss die gemütliche zeit am holzofen mit kaffee und schnaps. – das optimale basecamp, von dem aus ich anschließend die 80km-umrundung des massives ganz ohne gepäck starten konnte. 



auch die rückfahrt, erst östlich durch das taratal und dann südlich richtung podgorica war wunderschön.

dass ich mal wieder bergan umkehren musste, um einen verlorenen gegenstand aufzusammeln, bescherte mir eine weitere glückliche begegnug: an der kneipe, vor der zuvor noch der wirt schlafend gesessen

hatte, trank er nun mit einem lkw-fahrer schnaps. um meinen wiederfund zu feiern, gesellte ich mich zu ihnen und wir führten im rahmen unserer möglichkeiten eine bierlänge smalltalk. kurz vor podgorica holte mich der fahrer wieder ein und bot mir an, in seinem garten zu zelten.
so wurde ich für einen tag in die familie integriert, einschließlich kindergeburtstag und allen-freunden-vorstellen und erhielt so einen kleinen intimen einblick, der interessant, aber auch etwas beklemmend war.

der gute vasilji
nach meiner rückkehr nach tivat genoss ich noch ein paar tage die annehmlichkeiten von andreyis garten und machte mich dann richtung skadarsko see auf.
ich sah zu, dass ich die unattraktive küste alsbald hinter mir ließ, um möglichst schnell zum see zu kommen, der dann auch tatsächlich mindestens so schön war, wie angepriesen.

in albanien wurde ich gefühlt von jedem, dem ich auf der straße begegnete, nett begrüßt. in der ‚fahrradstadt albaniens‘ shkoder mit ihren hübschen cafés und märkten, die so schön unaufgeregt und gemütlich war, fühlte ich mich sofort wohl. jung und alt fuhr hier rad, mann und frau, egal welcher klasse. oft wurde mangels radwegen gleich eine ganze fahrspur belegt und gegebenenfalls auch mal gegenläufig befahren. das äußerst günstige und trotzdem sehr schöne hostel wurde von einem charmanten und hilfsbereiten zeitgenossen betrieben, der mir ein weiteres mal die möglichkeit eines basecamps für eine runde durch den norden mit wenig gepäck eröffnete.
mein weg führte mich zunächst nach koman, wo ich die fähre nach fierze nehmen wollte. im hafen angekommen, durfte ich erfahren, dass ich mich vom kartenverkäufer, der den leuten entgegen fuhr, hatte übers ohr hauen lassen. trotzdem wollte sich kein trübsal einstellen, da ich mit der crew von der konkurrenz (die natürlich nicht aufhören konnten, über meine unbedarftheit zu lachen) einen netten, feuchtfröhlichen abend verbrachte und sogar auf ihrer fähre nächtigen durfte.

über bajram curri fuhr ich dann das valbone-tal bis ins malerische theth hoch, wo ich schließlich nur noch von zweitausender umgeben war.

dann ging es östlich kurz in den kosovo, der landschaftlich nicht so überzeugte, aber dafür kulinarisch umso mehr (viele verschiedene arten paprika und gegrilltes gemüse, schwere sahnesoßen und super leckeres hausgebackenes brot), durch peja, wo das gleichnamige leichte, aber sehr leckere bier gebraut wird über eine vollkommen menschenleere grüne grenze zurück nach montenegro.

 bis zum abend kämpfte ich mich wieder auf knapp 2000 m hoch, um dort mit dem besten lagerplatz belohnt zu werden. mein abendbrot nahm ich mit blick auf den sonnenuntergang ein und konnte am nächsten morgen von der gleichen stelle aus den sonnenaufgang betrachten. 

dann ging es talwärts, wo ich doch irgendwann grenzbeamte in einem dorf mit zivilauto und lässig am zaun lehnend antraf, nach plav, um mir den zla kolata von montenegrinischer seite nochmal anzuschauen.
in albanien rollte ich dann gemütlich bergab und musste schlussendlich nur noch eine gewaltige wand vorm skadarsko jezero überwinden.


Ein Kommentar zu „leichter rollt sich’s leichter

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