in albanien angekommen (oder doch nicht?)

das taxameter zeigt 5000, die schaltung wimmert nach austausch und die regentage häufen sich – eigentlich der perfekte zeitpunkt, um die lang schon ausgemachte freiwilligenarbeit anzutreten. ich hatte mich schon darauf gefreut, längere zeit an einem ort zu bleiben, in einem richtigen bett zu schlafen und auch tatsächlich mal wieder zu arbeiten. doch unglücklicherweise haben die workaway-hosts meine nachrichten nicht richtig gelesen, mich für die falsche zeit eingeplant und mussten mir deshalb kuerzlich eine absage erteilen.
so sitze ich jetzt in einer höhle nahe warmer schwefelquellen, schaue dem regen zu und warte auf antworten auf meine erneut gestellten anfragen in albanien und griechenland. angesichts dieser angenehmen umstände fällt es mir nicht schwer, mich mit dieser situation neu ab zu finden und irgendwie freue ich mich auch über eine unerwartete wendung.
ich fühle mich sehr wohl albanien. hatte ich bisher im grunde nur positive erlebnisse auf meiner tour, so ist die aufrichtige freundlichkeit und offenheit der menschen hier nochmal ein ganz anderes level und überwältigend. für einen gruß im vorbeifahren werde ich fast immer mit einem lächeln, manchmal auch mit etwas obst belohnt. mit einer hälfte berganteil und wunderschönen landschaften komme ich voll auf meine kosten. und auch die entspannte lebensart der albaner, die eine ganze menge zeit in cafes verbringen, aber trotzdem auch sehr umtriebig sind (viele arbeiten sieben tage die woche) und es mit regeln nicht ganz so genau nehmen, ist sehr sympathisch.
die unschöne küste mit seinen öden, flachen landschaften und den auf badetouristen eingestellten städten in der nebensaison, die eine gewisse karterstimmung ausstrahlen, zu besuchen war einerseits gut, da ich von wunderschönen bergen und spektakulären landschaften schon etwas gesättigt war und gefahr lief, diese nicht mehr ausreichend würdigen zu können und wurde mir andererseits mit einem besuch von franz (aus berlin, der hübsche) versüßt, mit dem ich ein paar ganz wunderbaren tage verbrachte und der geduldig meine zusammenhangslosen und hastig vorgetragenen erzählungen ertrug.
eindrücke
fahrt übers land. kiefernwälder, dann steppenartige, karge landschaft. ich muss kurz anhalten bis die schafherde passiert hat. der hütehund macht mir deutlich, dass ich nicht zu nahe kommen darf. der hirte unternimmt kurz den versuch ihn zurück zu rufen und unterlässt es dann, als er merkt, dass es keinen zweck hat. olivenhaine, später tomatenfelder. hübsche dörfer, die aus einer anderen zeit scheinen. kühe, schafe, ziegen und truthühner werden gerade auf die weide oder zurück getrieben. ich überhole einen eselskarren, der kutscher natürlich fesch im anzug. ich werde meinerseits von einem opa auf seinem mofa überholt, die oma auf dem rücksitz hat die mistgabel lässig untern arm geklemmt.
vor der stadt ist wochenmarkt. es wird alles veräußert, was man sich nur vorstellen kann. ziegen, schafe, hühner, esel und kälber werden teilweise direkt aus dem transporter verkauft. es gibt gewürze, gemüse, obst, bohnen, werkzeuge, tabak, gebrauchte fernbedienungen, teppiche, seile, möbel, fahrradersatzteile uvm. damit der kaffee frisch gemahlen werden kann, betreibt jeder händler eine mühle mittels dieselgenerator. gegenüber von den second-hand-klamotten und dem elektro-schrott (?) kann man sich die batterien seiner armbanduhr wechseln lassen. ich setz mich an das bistro, wo man frische grillspieße, bier oder türkischen kaffee serviert bekommt zu den alten männern, die beim domino spielen angeregt debattieren und beobachte das spektakel. ein olivenoelhändler verspricht sich mehr erfolgt, wenn er umhergeht und die leute direkt anspricht. zurecht! in einem traditionell mit fellmütze bekleideten herrn hat er einen willigen käufer gefunden, nachdem dieser das oel probiert und für gut befunden hat.
fahrt in die stadt
dass sich der müll mehrt, der einfach ins flussbett gekippt wird, ist als indiz zu werten, dass eine siedlung kommt. alle haben es sehr eilig auf der fernstrasse oder freuen sich einfach, ihren mercedes mal ausfahren zu können (?) und sehen keine notwendigkeit mit einem abstand zu überholen, da sie ja schon gehupt haben. am strassenrand wird raki, honig und manchmal auch fisch verkauft.
in der stadt ist es wichtig gut auszusehen. daher gibt es viele barbiere und adidasläden. die bäckereien führen hier neben dem üblichen auch eine riesige auswahl an keksen, baklava, viele verschiedene sorten an feuchten kuchen, burek, und herzhaften kuchen. trotz ketten wie ‘spar’ gibt es überall die kleinen mixtläden mit dingen des täglichen bedarfs. auf der straße werden esskastanien und maiskolben gegrillt. 
die altstadt ist totat chaotisch angelegt mit verwinkelten, unheimlich steilen, kleine gassen. hübsche alte steinhäuser mit braun gestrichenen fenstern und steingedeckten dächern drängen sich dicht aneinander.
fragen, die mir immer und auch immer in dieser reihenfolge gestellt werden
woher kommst du?
reist du alleine?
bist du verheiratet?
warum nicht?
kurioses
statt einer duschkabine oder wenigstens eines -vorhanges gibt es einfach ein paar badelatschen gestellt – dann ist nach jeder dusche gleich das ganze bad gereinigt.
der verklärte nationalstolz, sich nach 500 jahren osmanischer herrschaft endlich emanzipiert zu haben und auf der anderen seite die adaption so vieler aspekte der damit verbundenen kultur.
deutschland ist nach wie vor das gelobte land, das jeder erreichen möchte. daher können viele mindestens ein paar brocken deutsch. wenn das für die konversation nicht ausreicht, wird kurzerhand das nächstgelegene kind zum dolmetschen verpflichtet – die können oft erstaunlich gut englisch.
wie können sich die unzähligen cafes halten, die immer eine gute espressomaschine haben, da sie eher institution zu sein scheinen, als ein wirtschaftliches unternehmen?
an vielen häusern kann man kuscheltiere befestigt sehen. diese sollen die bewohner vor bösen blicken schützen. da die meist schon von der witterung gezeichnet sind, sehen sie aus wie gemarterte wesen, was einen recht makabren eindruck macht.
sicher ist der aufwand, die zahlreichen bunker, die übers land verstreut sind, zurück zu bauen unverhältnismäßig, aber sonderbar bleibt der anblick dennoch, auch wenn sie (oder vielleicht gerade weil sie?) teilweise mit integriert oder einfach umgenutzt werden.

Ein Kommentar zu „in albanien angekommen (oder doch nicht?)

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