von mostar nach tivat (zu andriy)

schwarzer und grüner basilikum, gelbe und rote tomaten und weiße erdbeeren, gurken,

paprika, kürbisse, rote zwiebeln, glatte petersilie, minze, melonen, feigen, granatäpfel und pflaumen – das alles und noch viel mehr wächst in andriys

permakulturellem garten und ist zu unserer freien verwendung. außerdem haben wir zugang zu den wertvollen gütern wasser, strom und internet und dürfen

in einem mobilen raumelement der jugoslawischen armee hausen. eier, joghurt und milch gibt’s vom nachbarn. im gegenzug jäten wir freiwillige vier stunden am tag unkraut oder machen pesto.

ich genieße den schlaf in einem richtigen bett, die

gesellschaft der mädels aus st. petersburg, die ständig jede menge spaß haben, die ausgedehnten gemeinsamen mahlzeiten und den atemberaubenden blick auf die berge,

die direkt aus dem meer zu ragen scheinen. obwohl der garten eingeklemmt ist zwischen dem flughafen von tivat und einem steinbruch, strahlt der ort ruhe und frieden aus, dass man sich sofort wohl fühlt.

aber kurz nochmal zurück: wir erreichen mostar nach einer kleinen ‚hauruck-aktion‘ in der nacht. die so angepriesene ‚kommune‘ ist ein garten im schlechten zustand im einmannbetrieb. bambi (der eine mann) ist außerdem mit unserem besuch überfordert, da er vor kurzem erst einen arbeitsintensiven workshop geleitet hatte. wir drücken uns deshalb in der stadt rum, machen sightseeing und geben so mancher urbanen versuchung nach (wie den neuen tarantino zu schauen :-).

mostar ist eine sehr schöne und geschichtsträchtige stadt. leider kann man selbst in der nebensaison die stadt wegen der allgegenwärtigen und alles durchdringenden tourismusindustrie nicht so richtig auf sich wirken lassen. da wir uns nicht willkommen fühlen und schnell von der stadt genug haben, machen wir uns auf in richtung dubrovnik. in mostar trifft mediterranes auf kontinentales klima, was sich mit unserer absicht deckt, dem herbstlichen schmuddelwetter zu entgehen. und so geht es im immanenten kräuter- und zypressenduft weiterhin sommerlich bekleidet eine alte bahntrasse (cilo-route) durch das südliche herzegowina. 

getrocknete feigen sind längst zu unserer

lieblingsleckerei und energiespender geworden. entsprechend groß ist unsere freude, als wir auf dem weg einen baum mit frischen, reifen feigen finden. der wein wird gerade geerntet und hier und da fällt eine traube für uns ab. da es in sämtlichen ländern des ehemaligen jugoslawiens keinen spiritus gibt (außer den teuren und weniger gehaltvollen aus der apotheke) und etiennes gaskocher die brennkraft eines teelichts hat, kochen wir nur noch auf dem feuer. 

eines morgens erklärt er mir, dass er erstmal alleine weiter reisen müsse und auch ich hatte das gefühl, dass es zeit wäre, wieder mein eigenes ding zu machen. und so teilen wir unsere inzwischen gemeinsam gewordenen dinge auf und trennen uns etwas gerührt. wir wissen allerdings, dass es kein grund gibt, sentimental zu werden, da wir uns ohnehin wieder sehen – in nordmazedonien, albanien oder eben in der bretagne. ich nutze die zeit auf dem letzten stück der cilo-route durch die karge landschaft, um über gesagtes und erlebtes nachzudenken. dieser kleine franzose hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt mit seinem umfangreichen wissen, seiner unbedarftheit und offenheit, seinem wissen um viele dinge und seiner – trotzdem oder deshalb- immerwährender suche. 
dubrovnik ist so fesch wie sein ruf und ich bin durchaus beeindruckt vom umfang der historischen altstadt. mehr hab ich aber nicht zu der stadt zu schreiben.
montenegro macht auf mich zunächst einen unsympathischen eindruck mit seinem werben um besonders reiche touristen für seine jachthäfen und luxusresorts. vielleicht ist meine stimmung auch einfach nicht die beste nach einer unwirschen zurechtweisung der kroatischen grenzbeamtin. allerdings bessert sich selbige als nach einem hände-und-füße-schnack ein straßenhändler mir eine halbe melone schenkt.
jetzt also unkraut zupfen, hunde verjagen und nachmittags die gegend erkunden. von irina und anfi lerne etwas russisch und wie man mit einem reiskocher sämtliche speisen zubereitet. andreyi versucht erfolglos mich zu überreden, ihn mit zu seinem geschäftstermin zum oktoberfest zu begleiten.
glücklich sein kann tatsächlich so einfach sein. und es gibt so viel zuversicht, dass es menschen gibt, die sehr viel investieren, um ein nachhaltiges projekt aufzuziehen, dass keinen kurzfristigen profit generiert und dass es menschen wie die mädels aus russland gibt, die dieses in ihrem urlaub unterstützen, statt den ganzen tag am strand rumzugammeln, einfach weil sie freude daran haben!

ein unerwarteter feind: die lehmstraße 

etienne: ‚meinst du, es ist jemand daher gekommen und hat sich gesagt:‘ oh, das ist aber ein guter platz, um meinen müll abzuladen!‘?‘ 

Ein Kommentar zu „von mostar nach tivat (zu andriy)

  1. Toll Max ! Der Meister vom Stuhl bekommt nun auch wieder Reiselust… muss aber noch ein nachhaltiges und nicht auf Profit orientiertes Wohnprojekt weiter voranbringen… \“Dein Franzose\“ wird sicher von anderen tiefgreifenden Begegnungen abgelöst werden. So war es auch auf dem Camino. Ich mache mir Sorgen wegen dem starrsinnigen Sultan, den Du später wahrscheinlich nicht \“umfahren\“ kannst.

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